1960 - 58' Rickenbacker 325

Teil II

Wie im ersten Teil bereits erwähnt, wurde die Gitarre nach der zweiten Ed Sullivan Show nur noch zu Studioaufnahmen bei einem einzigen Album verwendet und danach verschwand sie von der Bildfläche. Das Lennon die Gitarre nicht weggeworfen hat ist eigentlich klar, da er eine starke Bindung zu ihr hatte und sie nicht umsonst "most priced possession" nannte. Wo Lennon die Gitarre jedoch über die Jahre hinweg aufhob ist unklar. Wahrscheinlich hatte er sie immer bei sich zu Hause, also zuerst in Weybridge, dann in Tittenhurst und dann im Dakota. Wie Frederic Seaman, Lennon's persönlicher Assistent im Jahre 1980, in seinem Buch "Geborgte Zeit" sagt, hatte Lennon im Dakota ein Zimmer, in dem er alle seine Gitarren aufbewahrte. Ob diese allerdings auch dabei war ist unklar.

Die Gitarre taucht nun im Jahr 1972 wieder auf, sie lag also 8 Jahre irgendwo herum und wurde nicht benutzt. 1972 kam Lennon nach New York und brauchte Equipment für Plattenaufnahmen in den Butterfly Studios. Er schickte also einen Mann namens Claude los, der letztendlich bei seiner Suche nach einem bestimmten Verstärker, auf einen Gitarrenverkäufer und Reparateur namens Ron DeMarino traf. Dieser wurde zu einem Treffen mit Lennon in den Studios eingeladen um den bestellten Verstärker vorbeizubringen. Er traf sich also mit Lennon, beide verstanden sich gut und Lennon kaufte noch wesentlich mehr Ausrüstung bei DeMarino. Bald war die Bindung zwischen den beiden etwas stärker und Lennon vertraute DeMarino. Er ließ nach und nach alle seine Gitarren von ihm reparieren, die wie DeMarino zu berichten weiß, in einem fürchterlichen Zustand waren. Es müssen wohl etwas 40 Gitarren gewesen sein. Eines Tages kam Lennon mit einem Koffer zu den Studios und holte die 325er Rickenbacker hervor. DeMarino war sprachlos. Die Gitarre war in einem elenden Zustand, verschiedenste Saiten waren aufgezogen, an der verkehrten Stelle, die Elektronik war verrotet, dreckig, die Farbe war völlig zerstört und das Schlagbrett war zerbrochen. DeMarino bekam also nun den Auftrag, die Gitarre zu restaurieren. Das Bild links hat DeMarino aufgenommen, als er die Gitarre bekam, allerdings ist es in sehr schlechter Qualität. Es ist aber das erste Bilder der 325 nach dem Wiedererscheinen und zeigt ganz gut den schlechten Zustand.

DeMarino mußte die komplette Elektronik neu verlegen und deswegen extra das Schaltdiagramm von Rickenbacker anfordern. Weiterhin wollte DeMarino die Gitarre wieer schwarz lackieren, da er der Meinung war, alle Welt würde diese Gitarre nur in schwarz kennen. Jedoch ganz nach dem Motto "Back to the roots" wollte Lennon die Gitarre unbedingt wieder in ihren originalen Zustand, also naturholzfarbend versetzt haben. Bei der Restauration fielen DeMarino Pinselhaarabdrücke auf der Gitarre auf, die darauf hindeuten, dass Lennon wahrscheinlich selbst einige unschöne Stellen an seiner Gitarre ausgebessert hat. Weiterhin ersetzte DeMarino die alten Tuner und das Schlagbrett. Beide Dinge durfte er behalten und hat sie wahrscheinlich damals verkauft. Schon bald war die Gitarre restauriert. Das Holz hat sich über die Jahre hinweg durch die schwarze Farbe etwas röter gefärbt und das Schlagbrett ist nun weiß, der Rest jedoch stimmt weitestgehend mit dem Urzustand überein. Seit diesem Zeitpunkt sieht die Gitarre folgendermaßen aus (auf das Bild klicken um es zu vergrößern):

Der originale englische Bericht ist hier nachzulesen.

 

Auf den großen Bildern ist deutlich die Abnutzung der Oberfläche am 2. Pickup zu erkennen, was darauf zurückzuführen ist, dass Lennon dort beim Spielen mit dem Plektron anschlug.

Was nach der Restauration mit der Gitarre passierte ist wieder unklar. Wahrscheinlich verschwand sie wieder in der Gitarrenkammer im Dakotabuilding, da Lennon musikalisch immer inaktiver wurde und diese Gitarre auch auf keinem Foto oder Video aus dieser Zeit mehr auftaucht. Es gibt jedoch Stimmen, die behaupten auf Lennon's letztem Album "Double Fantasy" aus dem Jahr 1980, den unverwechselbaren Klang der Gitarre in den Liedern "Stepping out", "I'm losing you"und "Walking on thin ice" zu hören, was auch ich durchaus befürworte. Einer der Gitarristen während der Double Fantasy-Session, Jack Douglas, soll gesagt haben, dass er während den Aufnahmen zu dem Solo in "Walking on thin Ice" den Bigsby-Vibrato der 325 bedient haben soll während John das Solo spielte. Eine Untermauerung dieser These gibt es aber nicht.

Heute gehört diese Gitarre John's zweitem Sohn Sean und befindet sich im John Lennon Museum in Tokio, das unter der Schirmherrschaft von Yoko Ono erst vor einigen Jahren eröffnet wurde und viele persönliche Besitztümer Lennon's ausstellt.

Links: Die Gitarre heute.

Mitte: Ein Bild der Gitarre aus dem Begleitheft des John Lennon Museums in Tokio.

Rechts: Die Gitarre im Museum in Tokyo.