1960 - 58' Rickenbacker 325

Teil I

Diese Gitarre mit der kurzen 5/8 Mensur (wird von manchen Leuten auch als Kindergitarre bezeichnet), 2 Inch Dicke, 1/8 Inch dicker Rückseite, Hohlkorpus und Naturfinish/Honig und an der Rückseite offenen Grover Statite Tunern, ist sozusagen der "Heilige Gral" aller Gitarrenentusiasten und Beatlesfanatiker. Deshalb soll ihr ihr auch eine Menge Platz zur Verfügung gestellt werden.

Im Jahre 1958 wurden lediglich 28 Dieser Gitarren gebaut und auch erstmals auf der Amerikanischen NAMM-Show präsentiert. Da sich diese Gitarren nicht verkauften wurden einige im Jahre 1959 mit 4 anstatt 2 Einstellknöpfen versehen um dem Musiker ein breiteres Klangspektrum zu ermöglichen. Da Lennon's beim Kauf schon 4 Knöpfe hatte fällt sie also unter diese modifizierten. Des weiteren wurde ein fünfte Halteschraube für das Schlagbrett eingesetzt.

Es gibt auch Stimmen die behaupten zu wissen, dass das Musikhaus Rotthoff aus Hamburg nach der NAMM-Show den Prototyp der 325 entwendete und an Lennon verkaufte. Darum wird gemutmaßt, dass die 325 auf diesem Bild der 58' NAMM-Show am rechten Ellenbogen von "Toots" Thielmann Lennon's Modell ist. Bewiesen ist dies allerdings nicht.

 

Dieses Bild zeigt noch einmal die 325, die auf der NAMM Ausstellung gezeigt wurde, noch bevor der Umstellung auf 4 Knöpfe und 5 Schrauben. Könnte dies Lennon's Gitarre sein? Viele Experten behaupten dies, da vor allen Dingen die Holzmaserung mit der Gitarre Lennons übereinstimmt.

Dieser kleine Vergleich soll zeigen um welche Stellen in der Maserung es geht. Doch dazu später mehr


Lennon kaufte diese Gitarre, Seriennumer V81, mit Naturfinish, Kaufmann Vibratosystem (das absolut unbrauchbar war) auf dem ersten Hamburgtrip der Beatles im Oktober 1960, inspiriert durch den Jazzgitarristen "Toots" Thielmans, der ebenfalls eine Rickenbacker spielte. Später in 1960 montierte Chris Huston, Gitarrist von den "Undertakers", der für seine Gitarrenbasteleien bekannt war, ein Bigsby B-5 Vibrato-System auf Lennon's Gitarre und ersetzte somit das Kaufmann-System.

Zum Umbau an sich gibt es folgende Dinge zu berichten: Lennon erschien nach einem Auftritt der Undertakers im Cavern Club mit seiner Gitarre (Zit. "I've got me guitar with me, let's go to Hessy's") und sie zogen los zum Musikladen Hessy's, gleich die Straße herunter in der der Cavern liegt. Im Laden fragt John den Verkäufer Jim Gretty "Is me Bigsby in?", der antwortet "Yeah sure!". So bekam Lennon den Bigsby ausgehändigt. Huston schraubte den Bigsby, zur Verwunderung des Verkäufers, noch gleich auf dem Ladentisch an Lennon's Gitarre. Huston sagt dazu:

"We knew so little about it . . . we just did it. It was not a question of having a plan; it was a question of loosening the strings, taking the old one off, and putting the new one on. Don't forget, the Rickenbaker made it easy because it has that little well in there, it slopes in, and we just sat the Bigsby on there and screwed!"

- "Wir wußten so wenig darüber...wer taten es einfach. Es war nicht die Frage, ob wir wußten was wir taten, wir mußten einfach die Saiten lockern, den Alten abnehmen und den Neuen drausetzen. Nicht zu vergessen, dass das ziemlich einfach ging, da die Rickenbacker eine kleine Vertiefung an der Stelle hat, so setzten wir den Bigsby einfach da rein und schraubten ihn fest."

Chris Huston lebt auch heute noch und steht sogar im Kanadischen Forum "Voxtalks" immer wieder Frage und Antwort und wird regelrecht über die alten Zeiten ausgequetscht.

 

Hessy's Musikladen.


Nun hatte die Gitarre also ein neues Vibratosystem, weitere Änderunge sollten jedoch folgen:

Da Lennon die Drehknöpfe an seiner Gitarre ständig verlor und die originalen Knöpfe auch vom Aussehen nicht sehr schön waren ersetzte Lennon diese durch Knöpfe von "Curry Electronics".
Nun waren alle Knöpfe wieder vorhanden und die Gitarre sollte diesen Look für einige Zeit behalten.

 

 

 

 

 

 

 

In diesem Zeitraum hat Lennon mit großer Wahrscheinlichkeit auch den mittleren Pickup seiner Gitarre vom Klangsystem getrennt, um ein Klackern zu vermeiden, wenn er beim Spielen mit dem Plekton auf den Pickup schlägt.

Im September 1962 bekam seine Gitarre ein neues Finish und wurde schwarz. Wann genau, warum und von wem dies gemacht wurde ist unklar. Peter McCormack versucht in seinem Artikel "Baby's in Black" Licht ins Dunkel zu bringen, findet aber auch keine endgültige Antwort. Eine deutsche Übersetzung des Artikels wird auch bald hier zu finden sein. Die wahrscheinlichste Lösung ist folgende: Die Gitarre wurde wahrscheinlich von einem gewissen Mr. Derek Adams mit einem neuen Finish versehen, weil Brain Epstain, der zur dieser Zeit erste Einflüsse auf die Bealtes ausübte ein vereinheitlichtes Bühnenbild wollte, in das eine helle Gitarre wie Lennon's nicht gepasst hätte. Lennon scheint später selbst etwas nachgeholfen zu haben als die schwarze Farbe abging, denn Gitarrenbauer Ron DeMarino (siehe unten) fand auf der Gitarre spuren von Pinselhaaren...

Das erste Bild mit der neuen schwarzen Farbe stammt vom 21.09. 1962 bei einem Auftritt im Tower Ballroom. Da ein Foto der naturfarbenen Gitarre vom 04.09. existiert und die Beatles danach ausgebucht waren und der 18.09. der einzige freie Tag war, muß die Farbänderung wohl an diesem Tag vollzogen worden sein, da die Gitarre ja am 21.09. schon schwarz war. Sicher ist dies aber nicht, da immerhin noch die Möglichkeit besteht, dass Lennon in der Zwischenzeit mit einer Austauschgitarre spielte. (Es gibt von dieser Periode kein Bildmaterial)
 
Lennon verpaßte der Gitarre 1963 wieder einmal neue Knöpfe, als sie sowieso gerade zu einer Elektronikreparatur bei der Firma "Burns" war. Diese Knöpfe der Firma Burns blieben dann auch bis zum Schluß an der Gitarre und wurden nie wieder gewechselt.
Der weiße Pickup-Umschalter wurde ebenfalls von weiß nach schwarz gewechselt: ->

 

Nun war es vollbracht! Die Gitarre hatte ihren Endzustand erreicht. Ihren letzten öffentlichen Auftritt hatte sie in der 64' Ed Sullivan Show, bei der ihr anzusehen ist, dass sie über Jahre hinweg das Arbeitspferd Lennons war.

Danach wurde die Gitarrre lediglich bei Studioaufnahmen zu "Beatles for sale" verwendet, danach aber endgültig zur Ruhe gebettet. Warum ist nicht bekannt. Allerdings bekam die Gitarre im Jahre 1964 noch einmal neue Bünde von Leslie Andrews, im Auftrag von Burns eingepaßt. Andrews sagt selbst, dass die Gitarre in einem fürchterlichen Zustand war, was erklären könnte warum John sie nicht mehr spielte. Die alten Bünde waren praktisch nicht mehr vorhanden und die Saiten haben Furchen in das Griffbrett gekratzt.


Sollte die Geschichte dieser Gitarre damit abgeschlossen sein? Falsch! Es geht noch weiter, dazu mehr auf Seite 2.